Wenn wir uns unseren schmerzlichen Gefühlen offen und ehrlich stellen, können wir belastende Erlebnisse innerlich heilen und neue Lebensabschnitte friedlich, eigenverantwortlich und in Freude gestalten.

Gerne unterstütze ich Sie auf diesem Weg durch einen Vortrag, ein Seminar oder mit einem persönlichen Coaching. Nehmen Sie Kontakt mit mir auf!

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Walter Kohl - Trailer

Walter Kohl – Newsletter Juni 2014

Königstein, im Juni 2014

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde des Zentrums für eigene Lebensgestaltung,

der letzte Monat war prall gefüllt mit Veranstaltungen. Besonders habe ich mich übe meine „kleine Tour“ durch Mitteldeutschland mit Stationen in Gera, Leipzig, Erfurt und Gotha gefreut. Jetzt stehen noch Abstecher in die Schweiz und dann nach Österreich ins Haus. Dazu mehr am Ende des Newsletters. 

In den letzten Wochen hat mich das Thema Tod sehr beschäftigt. Erst durch das schreckliche Fährunglück in Korea, dann durch den überraschenden Tod von Andrea Schmoll, mit der ich schon Veranstaltungen geplant hatte und dann noch der überraschende Tod meines guten Freundes und Trauzeugen Gerald.

Es mag für manche vielleicht ein wenig krass klingen, dass ich schon wieder in so kurzer Zeit über dieses Thema schreibe, aber das Leben will es wohl so. Ich bitte Sie daher um Verständnis, wenn ich das, was ich im Zusammenhang mit Gerald fühle, heute mit Ihnen, mit Euch teilen möchte.   

Hommage an einen Freund – Gerald Peter Ritzberger

Montag der 5. Mai 2014 war ein schöner, sonniger, fast schon sommerlicher Frühlingstag. Ich hatte mittags einen Termin in Mainz und fuhr dann auf der B9 am Rhein entlang Richtung Worms. Südlich von Worms liegt die Petersau, ein schöner Flecken direkt am Wasser. Als Kinder sind wir oft mit unseren Eltern hier am Sonntag spazieren gegangen. Da ich noch eine Stunde Zeit hatte ehe meine abendliche Lesung mit dem Mannheimer Morgen in Lampertheim stattfinden sollte, fuhr ich an die Rampe der alten Militärfähre, setzte mich an das Ufer – und tat einfach gar nichts. Meine Gedanken schienen über das Wasser zu schweben, die Frühlingssonne wärmte mich, ich genoss die Ruhe und die Magie dieses Ortes.

Plötzlich wanderten meine Gedanken zu Gerald, meinem guten Freund. Kennengelernt hatten wir uns im Oktober 2004 in Goldegg, einem kleinen Ort südlich von Salzburg, wo er Aufstellungsseminare durchführte. Damals, in meiner schlechten Zeit, war mir empfohlen worden, doch einmal eine solche Aufstellung zu machen, einfach um zu sehen, was passieren würde. Ich nahm also meinen Mut zusammen und meldete mich an.

Doch am Morgen des Seminars schien mich aller Mut zu verlassen. Mehr als eine halbe Stunde fuhr ich mit dem Auto ziellos im Dorf herum: Sollte ich das wirklich machen oder wäre es nicht einfach besser einfach davonzufahren? So dröhnte es in meinem Kopf. Schließlich ging ich doch in Geralds Seminar und mein Leben begann sich zu ändern. Er lehrte mich einen neuen Blick auf meine Biographie zu werfen und ich lernte Zusammenhänge zu verstehen, von deren Existenz ich bisher nichts geahnt hatte. Gerald zeigte mir in seiner wertungsfreien, liebevollen aber wenn nötig auch konsequenten Art neue Wege zu mir selbst. In den Seminaren konnte ich zuvor unlösbar erscheinende Themen wie den Tod meiner Mutter oder das Thema „Sohn vom Kohl“ bearbeiten und schließlich befrieden. In vielerlei Weise wurde Gerald zu einem Türöffner für meine Seele, vor allem für jene Kammern, die ich bisher nicht wahrnehmen wollte. Durch ihn lernte ich die systemische Arbeit und die für mich bis dato völlig unbekannte Welt des systemischen Denkens kennen. Ohne ihn wären weder der Gedanke der einseitigen Versöhnung noch meine Bücher entstanden, ja ohne ihn wäre dieses neue Leben wohl nie so entstanden.

Aus einem Seminar wurden mehrere Seminare und schließlich die Aufforderung von Gerald: „Walter, mach doch einen Trainerschein bei mir.“ Ein Weg begann sich abzuzeichnen, ein zweijähriger Lehrgang zum SET Trainer folgte. Aus einem Lehrgang wurde mit der Zeit eine Seelenverwandtschaft und aus dieser eine tiefe Freundschaft. Wir verbrachten Urlaube miteinander und erlebten was Aristoteles beschreibt: „Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern.“

Als Kyung-Sook und ich schließlich heirateten war mir klar: Gerald, bitte sei mein Trauzeuge. Ich weiß noch wie er sich freute als ich ihn fragte. Meine Bitte war meine Art ihm zu danken, ihm zu zeigen welchen Platz er in meinem Leben einnahm.

Ich wusste, dass Gerald, der nur wenige Jahre älter als ich ist, eine Phase voller schwieriger Krankheit hinter sich hatte. Wir hatten wiederholt darüber gesprochen. Auch einige gefährliche Operationen waren zu meistern. Alle, seine Partnerin Angelika, die gemeinsame, kleine Tochter Linea, seine Familie und Freunde waren glücklich, dass es nun wieder besser wurde und neue Pläne wurden gemacht. Gerald geht es wieder gut und – so hatten wir es verabredet -  nun würden wir gemeinsame Projekte angehen.

Ich saß immer noch auf meinem warmen Stein am Ufer des Rheins. Dann zog ich mein Handy aus der Tasche, einfach um ihn anzurufen, um diesen schönen Moment mit ihm zu teilen, um bei ihm zu sein, um mit meinem Freund zu sprechen. Doch es meldete sich Angelika. Ich merkte zunächst gar nichts und begann fröhlich loszuplappern. Erst nach einigen Sätzen spürte ich ein komisches Gefühl und fragte: “Wie geht es Gerald?“ „Du weißt es noch nicht?“ lautete die leise Antwort. „Nein, was ist passiert?“ Stille, dann ein leises Schluchzen. „Gerald ist tot.“

Es war, als ob mir jemand mit einem Vorschlaghammer auf den Kopf geschlagen hätte. Völlig fassungslos stand ich am Rheinufer, blickte in die Leere, versank in eine tiefe Trauer. Ich konnte, ich wollte es nicht glauben. Gerald tot? Nein, das ist unmöglich. Nach diesem Telefonat stand ich am Fluss und weinte. Es waren Tränen der Liebe für einen Freund, der nun, völlig unerwartet und für alle schockierend, von uns gegangen war.    

„Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll“ Dieses Goethewort beschreibt Gerald treffend. Seine vielfältige Arbeit als Seminarleiter und als Coach diente den Menschen. Er berührte die Herzen vieler und heilte so manches blutende Herz. Es gibt Menschen, die dürften einfach nicht sterben. Gerald war so ein Mensch.

Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in Leipzig, der Heimatstadt meiner Mutter, wo ich in wenigen Stunden eine Abendveranstaltung haben werde. Ich schaue auf den Bahnhof und erinnere mich an unsere Besuche in dieser Stadt. Ich schaue an die Wand meines Hotelzimmers und denke an Gerald. Heute Abend werde ich über meine Herzensthemen sprechen, über Versöhnung, über die Freiheit zu neuen Antworten auf alte Fragen und den inneren Frieden. Ich werde die drei Freundschaften erklären: die Freundschaft mit uns selbst, die Freundschaft mit anderen und die Freundschaft mit Gott. Ich werde für die Kraftquellen des Friedens, die in uns angelegt sind, werben. Ich werde auf einer Bühne stehen, doch ich werde nicht allein sein. Gerald wird bei mir sein. Denn durch ihn und seine Arbeit weiß ich: Wir alle sind Glieder einer Kette, einer Kette der Generationen, der Erkenntnisse und des Miteinanders.

Ich bin sicher, dass Gerald im Himmel ist. Wenn nicht er, wer denn sonst? Allerdings weiß ich nicht, ob es im Himmel E-Mail Empfang gibt und ob man dort Newsletters lesen kann. Aber ich hoffe es, denn ich wünsche mir, dass er von diesem kleinen Text erfährt, von meiner Liebe, meiner Dankbarkeit und auch von dem Schmerz des Verlustes. Und von meinem Wunsch zu helfen, sein Vermächtnis weiter zu tragen.

Lieber Gerald, danke für Deine Weisheit, Deine Freundschaft, Dein Sein, danke für alles.

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