Wenn wir uns unseren schmerzlichen Gefühlen offen und ehrlich stellen, können wir belastende Erlebnisse innerlich heilen und neue Lebensabschnitte friedlich, eigenverantwortlich und in Freude gestalten.

Gerne unterstütze ich Sie auf diesem Weg durch einen Vortrag, ein Seminar oder mit einem persönlichen Coaching. Nehmen Sie Kontakt mit mir auf!

Kontakt & Booking
Walter Kohl - Trailer

Ziel der Versöhnung ist ein MEHR an Lebensfreude durch unseren Frieden mit alten Belastungen

Unser gegenwärtiges Lebensgefühl, unsere Lebensfreude wird sowohl von unseren Erfahrungen der Vergangenheit als auch von unseren Erwartungen an die Zukunft mitbestimmt. Anders formuliert: Lebensfreude in der Gegenwart kann nur entstehen, wenn wir Frieden mit unserer Vergangenheit geschlossen haben und einen Lebenssinn sowie Lebensziele für die Zukunft sehen. Erst dann entsteht Kraft, Freude und Entschiedenheit im Hier und Jetzt – in unserer Gegenwart. 

Durch den Weg der Versöhnung mit seinen 5 konkreten Schritten können wir vergangene, schmerzhafte Erfahrungen und Erlebnisse innerlich heilen und in inneren Frieden und somit in neue Kraft wandeln. Aus alten „Kraftfressern“ werden neue „Kraftquellen“ und somit entsteht neue Lebensfreude. Eine weitere zentrale Kraftquelle unseres Lebens ist der Sinn. Wenn wir wissen, warum und wofür wir etwas tun, dann schenkt uns dies die nötige Energie, um es auch umzusetzen.

Dieser ganzheitliche Ansatz, der Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart in Einklang bringt, macht uns zum Kapitän unseres Lebens. Der Weg der Versöhnung ist ein Plädoyer für eine selbstbestimmte Lebensgestaltung und ein gestärktes Selbst-Bewusst-Sein!

Ich lade Sie zu neuen Denkansätzen und Umgangsformen mit sich selbst und anderen ein. Dabei sehe ich mich sich als Anreger, als Inspirator, als jemand, der seine Erfahrungen und Gedanken mit anderen Menschen teilen möchte. Dabei möchte ich Mut machen, zum Nachdenken anregen und wenn nötig auch ein wenig provozieren. 

  • Nutzen Sie Ihre persönliche Freiheit, um neue, eigene Antworten auf Ihre Lebensfragen zu finden.
  • Nutzen Sie Ihre Vergangenheit als Kraftquelle.
  • Nutzen Sie die Kraft der Versöhnung und des Sinns.
  • Gestalten Sie Ihr Leben selbst, anstatt gelebt zu werden.
  • Und trauen Sie sich Veränderungen zu.

Auf diesem Weg möchte ich Sie begleiten!

Wir alle sind Suchende. Wenn wir unsere Erfahrungen teilen, erhalten wir neue Antworten, die zu mehr Lebensfreude führen. Wenn wir unser Leben aktiv in die Hand nehmen, mit innerer Freiheit und in Verantwortung, dann werden wir weniger gelebt und mehr leben können.

Der Weg der Versöhnung beginnt mit einer bewussten Hinwendung zu uns selbst, zu unseren Gefühlen, unseren Gedanken, unseren Überzeugungen, unseren Glaubenssätzen, kurz gefasst: zu unserem inneren Kern. Wir wollen im Hier und Jetzt glücklich sein, unser Leben in Lebensfreude erleben. Doch unsere Gegenwart wird stets sowohl von unseren Erfahrungen (der Vergangenheit) als auch von unseren Erwartungen, Wünschen und Hoffnungen mitbestimmt. Die Zeit, in der wir leben, scheint aus mehreren Elementen zu bestehen, einem Dreiklang aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Einfach vergessen!
Abhaken!
Mund abputzen – und weitermachen! „Vorbei ist vorbei! Die Zeit heilt alle Wunden.”

Mit Schlagworten wie diesen versuchen wir uns einzureden, dass seelischer Schmerz quasi „verstoffwechselt“ werden kann, sich scheinbar von selbst mit der Zeit auflöst. Als ob er eine Halbwertszeit hätte, wie eine Substanz, die nach einer naturgegebenen Gesetzmäßigkeit irgendwann rückstandslos abgebaut ist. Doch unser psychischer Haushalt funktioniert nach seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten. Zeit heilt eben nicht alle Wunden. Im Gegenteil, unbearbeiteter Schmerz kann uns bitter werden lassen und damit persönliche Handlungsfreiheit und Lebensfreude nehmen. Alter seelischer Schmerz kann, besonders wenn er sehr tief sitzt, immer nur auf derselben Ebene aufgelöst werden, wo er auch zugefügt wurde.

Unser Herz verlangt nach Klärung und innerem Frieden, um glücklich zu sein. Unser Gefühlsleben ist ein lebendiges System, voller Energie und Kreativität, aber auch anfällig für Verwundung. Zeit kann hilfreich sein, da sie inneren Abstand von bestimmten Erfahrungen schafft. Aber sie allein gibt keine Antworten, ermöglicht höchstens eine Druckminderung. Gleichwohl brauchen wir Zeit, um die heilende Kraft in uns zu wecken. Die Dinge richten sich nicht von allein. Sie wollen lange genug bearbeitet werden, damit sich unser Leben zum Positiven wenden kann. Um in der richtigen Weise selbst aktiv zu werden, um das Leben in die eigene Hand zu nehmen, sollten wir uns auch ausreichend mit der Natur der Zeit und ihrem Einfluss auf unseren Lebensweg beschäftigen.

Dieser verläuft auf einer Zeitachse, die mit der Geburt beginnt und dem Tod endet: eine Binse, die es in sich hat. Denn es handelt sich tatsächlich um eine Art Lebensachse, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in jedem einzelnen Moment in einem komplexen Tanz in Bewegung versetzt. Eine Skulptur der Wuppertaler Künstlerin Christiane Püttmann, die auf Schloss Burg in Solingen ausgestellt ist, illustriert diese Dynamik einleuchtend. Das Kunstwerk gibt jeder der drei Zeitzonen unseres Lebens in ihrer unauflöslichen Verbindung miteinander buchstäblich ein Gesicht. 


Foto: Lothar Schulz

In der Mitte des Bildes befindet sich die Gegenwart. In diesem Fall scheint sie eingeengt, eingequetscht geradezu zwischen Vergangenheit und Zukunft, die sie von vorn und hinten her bedrängen. Das Antlitz der Gegenwart ist teilweise verdeckt. Es dürfte kein Zufall sein, dass einem der Augen vollständig die Sicht genommen wird, und zwar durch die Vergangenheit: So stark kann der Druck der Vergangenheit auf der Gegenwart lasten, dass der Mensch „auf einem Auge blind“ ist. So richtet sich der Blick aus dem freien Auge auch in Richtung Vergangenheit. Immerhin, der Anflug eines Lächelns scheint die Lippen der Gegenwart zu umspielen, doch erscheint es etwas bemüht, fast gequält. Mehr als Tapferkeit und Stehvermögen scheint diese Gegenwart nicht aufbieten zu können, um in ihrer bedrängten Lage zu bestehen. Dabei ist Vergangenheit nichts Schlechtes, oft sogar eine Quelle der Kraft und Inspiration. Dazu muss sie aber unbelastet sein.

Indem der Hinterkopf, also die gedankliche Prägung aus der Vergangenheit, sich in geradezu brutaler Weise in die Sicht(weise)der Gegenwart schiebt, nimmt jene symbolisch eine dominante Position über diese ein. Das entspricht unserer alltäglichen Erfahrung, denn wer kann schon sagen, dass er sich selbst aus der Überschattung durch seine persönliche Vergangenheit ganz befreit hätte?

Die Vergangenheit ist jene Zeitzone, die eine ganz besondere Macht über unser Lebensgefühl ausübt. In der Erinnerung haben wir all unsere Erfahrungen, einschließlich der uns zur Verfügung stehenden persönlichen Palette an Gefühlen, Deutungsmustern und Einstellungen gespeichert. Unser gesamtes Lebenswissen, unsere Glaubensstrukturen, beruhend auf allem, was uns beigebracht wurde und was wir uns selbst angeeignet haben, rührt von daher.

Unsere persönliche Geschichte ist gleichsam die Festplatte unserer Existenz, das macht sie so wichtig. Sie bildet aber nicht nur unser persönliches Archiv, sondern gleichsam auch den Magnetpol für unseren Lebenskompass. Sie wird somit zum Wertvollsten, über das wir frei verfügen können – beziehungsweise könnten.

Auch die Zukunft berührt die Gegenwart, doch wie leicht erkennbar wird, in eher indirekter Weise. Indem sie beide am Hinterkopf, außerhalb des Gesichtskreises, miteinander verbunden sind, scheinen sie gegenseitig ein wenig auf Distanz zu gehen. Auch das entspricht den realen Gegebenheiten unseres Daseins: Wir können ja nicht in die Zukunft sehen, so sehr wir uns dies auch wünschen mögen. Und wenn unsere Erwartungen an das Leben nicht bloßes Wunschdenken bleiben sollen, dann muss unsere Vorstellung von dem, was uns erwartet, „vom Kopf her“ kommen, das heißt, der Realität angepasst sein.

Durch die Formensprache dieses Kunstwerks wird etwas deutlich, dass wir alle im Grunde als gesichertes Wissen betrachten könnten, leider aber immer wieder ignorieren: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind keine voneinander getrennten Zonen unseres Daseins – ganz im Gegenteil, sie sind untrennbar miteinander verknüpft und in jedem Moment unauflöslich aufeinander bezogen. Zusammen bilden sie das Amalgam unseres Lebensgefühls, das immer aus verschiedenen Komponenten besteht, die sich in der Ambivalenz unserer momentanen subjektiven Erfahrung widerspiegeln.

Diese Erkenntnis erhellt im Besonderen das Verhältnis zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Das Gute und zugleich auch das Schwierige an unserer Vergangenheit ist, dass sie uns nie verlässt. Ob wir es wollen oder nicht: Wir nehmen die Vergangenheit mit allen von ihr eingebrachten Gefühlen, Erinnerungen, Erfahrungen, Meinungen, Überzeugungen und Glaubenssätzen stets mit, wohin auch immer wir gehen. Egal ob wir an unserem bisherigen Lebensort bleiben oder ans entfernteste Ende der Welt auswandern, egal ob wir in selbst errichtete innere Welten fliehen – unsere Vergangenheit (ver)folgt uns wie ein Schatten. Sie ist ein Teil unserer Persönlichkeit, sie ist unser ständiger Begleiter. Immer wieder müssen wir erfahren: Vor der eigenen Vergangenheit kann niemand davonlaufen.

Im Gegenteil. Je mehr wir versuchen, der Vergangenheit zu entfliehen, desto mehr Kraft bindet diese Flucht, desto weniger Energie bleibt für Gegenwart und Zukunft, desto weniger erreichen wir im Leben. Wer von seiner Vergangenheit beherrscht wird, der wird auch von ihr gelebt. Diesen Menschen hat die Vergangenheit voll im Griff. Seine Verhaltensmuster, Ansichten und Entscheidungen sind eine einzige Fortschreibung seiner ungeklärten Vergangenheit. Auch der alte Schmerz kehrt in neuen Erfahrungen und Gesichtern immer wieder zurück.

Wenn wir also unser Leben aktiv gestalten wollen, sind wir aufgerufen, unsere Vergangenheit anzunehmen und mit ihr soweit ins Reine zu kommen, das sie uns zur Kraftquelle wird, statt ein permanenter Kraftfresser zu sein, der uns auslaugt und festhält.

Das Leben ist wie ein Kreisverkehr…


Wolfgang Sauer Foto, Königstein, Ts

Jedes Mal, wenn wir mit einer (für uns) belastenden Situation – also einem Konflikt – konfrontiert werden, werden wir zu einer Entscheidung aufgerufen. Selbst wenn wir uns nicht entscheiden, gilt dieser Satz, denn keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung. Und zwar meistens eine für die Unfreiheit. Denn wenn wir gar nichts tun, geht alles so weiter wie bisher, wir drehen uns im Kreis, so als ob wir endlose Runden im Kreisverkehr drehen würden, immer und immer wieder. Frei nach dem Zitat von Albert Schweitzer: „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

Aber welche der drei Ausfahrten (Kampf, Flucht oder Versöhnung) ist jetzt die Richtige?

Mein innerer Kreisverkehr

Die Graphik spricht für sich und zeigt kurz und präzise die für mein Herzensthema drei wesentlichen Möglichkeiten der Konfliktbewältigung auf. Auch wenn Kampf oder Flucht keine psychologisch anerkannten Problemlöser sind, können sie je nach Situation durchaus die richtige Entscheidung sein. Sie können klügere Antworten als Versöhnung um jeden Preis sein. Wir können uns nicht dazu zwingen, versöhnt zu sein. Aber wenn wir merken, dass in einer konkreten Situation Versöhnung für uns der beste Weg ist, sollten wir einen Ansatz finden, diesen zu beschreiten. Es beginnt damit, bewusste, eigene Entscheidungen zu treffen, wenn wir eine Verletzung erlebt haben.

Wie soll es also nun sein: Möchte ich

  • mich weiter im Kreis drehen bzw. abwarten/aussitzen?
  • kämpfen?
  • fliehen?
  • Oder möchte ich inneren Frieden finden, mich versöhnen?

Versöhnung ist in meinen Augen – insbesondere bei schweren biographischen Themen – oft die beste Option. Doch stets liegt die Entscheidung bei uns. Niemand kann und soll zur Versöhnung gezwungen werden, denn Versöhnung beginnt und wächst immer aus der freien Entscheidung unseres Herzens. Versöhnung ist ein Mittel zur eigenen Lebensgestaltung, mit dem Ziel größerer Lebensfreude und vor allem der Freiheit, nicht den Rucksack vergangener Verletzungen in die Zukunft tragen zu müssen. Sie kann uns helfen, große energiefressende Wackersteine in diesem Rucksack in Energiequellen zu wandeln.

Mut und Entschiedenheit gehören dazu. Selbst, was anfänglich wie eine Haarnadelkurve aussehen mag, möglicherweise von Dritten sogar als Rückschritt oder Fehler bewertet wird, ist letztlich Ausdruck unserer Freiheit. Schließlich sind wir es, die für unser Leben verantwortlich sind.

Wie also handeln, wenn ich mich im Kreisverkehr befinde und den Wunsch nach Versöhnung habe? Für Versöhnung gibt es kein Patentrezept, das nach dem Motto „Auspacken, zusammenschrauben und fertig!“ funktioniert. Dennoch habe ich einen Weg entdeckt, der mir in meiner persönlichen Lebenskrise geholfen hat. Dieser Weg besteht aus fünf Schnitten, die im Folgenden näher erläutert werden:

  1. Was ist mein Anliegen?
  2. Alles Auf den Tisch.
  3. Den Energiewandel erleben.
  4. Mein Friedensvertrag mit mir selbst.
  5. Die neue Kraft im Fluss des Alltags nutzen.

Schritt 1: Was ist mein Anliegen?

Was ist der erste Schritt auf dem Weg? Wo beginne ich? Natürlich bei „meinem Thema“, egal wie es heißen mag. Da muss man nicht lange forschen, schließlich weiß man selbst am besten, worum es sich handelt. Eben die Sache, mit der ich nicht klar komme, die mich belastet, die mich immer wieder beschäftigt und meine Kräfte lähmt.

Oft fällt es uns schwer, unser Thema konkret, klipp und klar in wenige Worte zu fassen. Es ist eine Herausforderung, unsere Situation so zu präsentieren, dass sie fassbar wird. Doch durch diese Klarheit können wir zum Kern unseres Problems vordringen. Was beschäftigt mich wirklich? Was ist mein konkretes Anliegen? Im Downloadbereich steht für die Arbeit am Versöhnungsweg ein Arbeitsblatt inklusive Hinweise zum Arbeitsblatt zur Verfügung. Ich empfehle, diese Blätter jetzt auszudrucken und als Hilfsmittel für Ihren Versöhnungsweg zu nutzen.

Schritt 2: Alles auf den Tisch

Der Wandel beginnt mit Ehrlichkeit vor uns selbst. Also mit der Forderung, alle Punkte vor uns auf den Tisch zu legen, wirklich alle Punkte. Nichts ist dabei so peinlich, so unangenehm, dass es nicht auf den Tisch gehören würde. Wichtig ist, dass hier von einem sehr privaten, geschützten Tisch gesprochen wird. Einem Umfeld, in dem wir allein mit uns selbst und dem Thema sind. Deshalb empfehle ich, einen Brief an uns selbst zu schreiben.

In diesem Brief ist Raum für alle Erinnerungen, Gefühle und Gedanken, die unserem Thema gehören. Er ist sehr persönlich und er geht an unseren wichtigsten Freund, uns selbst. Er macht unsere Gefühle fassbar, denn nun sind sie nicht länger abstrakt, sondern liegen sichtbar vor uns.

Ich schlage vor, solche Briefe in völliger Ungestörtheit zu schreiben, kein Telefon, kein Radio & Fernsehen, keine Menschen, die uns unterbrechen könnten. Nur so erreichen wir völlige Konzentration. Ich habe solche Briefe in Kirchen, Hotelzimmern oder auch in der freien Natur geschrieben.

Ein solcher Brief ist wie eine Blitzlichtaufnahme. Wenn wir ihn nach einigen Tagen wieder lesen, stellen wir zumeist fest, dass bestimmte Aspekte fehlen, andere zu schwer oder zu leicht gewichtet wurden. Dann ist es sinnvoll, den Brief zu überarbeiten oder gar neu zu schreiben. Selten bedarf es mehr als drei oder vier Abläufe, um ein für uns stimmiges und vollständiges Schriftstück zu bekommen.

Wie auf dem Arbeitsblatt ersichtlich wird, gilt es nun, den zumeist mehrseitigen Brief auf seine Essenz hin zu verdichten. Dazu schlage ich vor, mithilfe eines farbigen Textmarkers die für uns wichtigsten Passagen zu unterstreichen. Diese werden zumeist zentrale Gefühle in Bezug auf unser Thema beinhalten. Somit reduzieren wir mehrere Textseiten auf wenige Kernaussagen.

Mit Hilfe des Arbeitsblattes kann nun der letzte Verdichtungsschritt erfolgen. Die hervorgehobenen Textstellen werden zu einzelnen Kernaussagen verdichtet und in das Arbeitsblatt eingetragen.

Schritt 3: Den Energiewandel erleben

  • Gefühle sind Energie.
  • Zu jeder Energie gibt es eine Gegenenergie.
  • Bei Verletzungen liegt in der Gegenenergie die Heilung.

Genau wie der Versöhnungsprozess selbst sind auch die Gegenenergien individuell und müssen sehr sorgfältig herausgearbeitet werden.

Eines Tages wurde ich von Simone, einer Krankenschwester aus Frankfurt, gebeten, sie als Coach auf ihrem konkreten Versöhnungsweg zu begleiten. Als alleinerziehende Mutter arbeitet sie Teilzeit. Ihr Chef, ein sehr dominanter und erfolgreicher Arzt lässt keine Gelegenheit aus, sie vor den Kollegen niederzumachen. Dieses Mobbing belastet sie sehr.

Nach Schritt 2 kristallisierten sich für sie folgende alte belastende Energien heraus: 

  • Wut
  • Kränkung
  • Frust
  • Keine Anerkennung
  • Minderwertigkeit
  • Neid

Nun galt es, die korrespondierenden heilenden, neuen Energien für diese Seelen zu finden. Dieser Schritt ist der wohl schwierigste auf dem ganzen Versöhnungsweg. Denn jede Energie hat ihre ganz persönliche Bedeutung im konkreten Fall und es muss die exakt passende neue Energie dazu gefunden werden. Das ist eine Gefühlssache, in der es kein richtig oder falsch, kein gut oder schlecht gibt, was wir spüren, sofort wenn eine neue Energie passt. Denn wir kennen unsere Sehnsucht, unsere Wünsche und die neue Energie gibt diesen einen Namen.

Im Beispiel von Simone sah das Arbeitsblatt nun wie folgt aus:

Alte EnergienNeue Energien
WutGelassenheit
KränkungStärke
FrustFreude
Keine AnerkennungSelbstwertgefühl
MinderwertigkeitSelbstwertgefühl
NeidGönnen

Nun sind wir am Wendepunkt unseres Versöhnungsweges angekommen. Mithilfe der unterstützenden Fragen des Arbeitsblattes können wir nun eine Brücke von den alten zu den neuen Energien bauen. Für Simone bedeutet dies, dass sie einen Friedensvertrag mit sich und der Situation schreiben konnte.

Schritt 4: Mein Friedensvertrag mit mir selbst

Auf dem Weg der Versöhnung darf es letztlich keine Sieger und Verlierer, keine Guten und Bösen, keine Schuldzuweisungen oder Beschimpfungen geben. Es gibt nur einen guten, nachhaltigen Frieden, einen Frieden, mit dem wir nach bestem Wissen und Gewissen leben können.

Wichtige belastende Erfahrungen, Gedanken und Gefühle sind erkannt und auf den Punkt gebracht. Ebenso ihr jeweiliges Gegenstück, in Form der Spiegelenergien, die dem erstrebten Wandel in unserem Denken und Fühlen ein sichtbares Ziel setzen.

Der Friedensvertrag mit mir selbst ist nichts, das man einfach so herunterschreiben kann. Es ist ein Manifest, eine bedingungslose persönliche Verpflichtungserklärung, die unseren aufrichtigen Gefühlen und Gedanken Rechnung tragen sollte. Er muss für uns absolut stimmig sein. Wie bei den Briefen an uns selbst, bedarf es auch hier womöglich mehrerer Anläufe, um den endgültigen Text zu verfassen, man muss ihn gedanklich und gefühlsmäßig Schritt für Schritt entwickeln.

Ein Friedensvertrag mit dem Ziel der Versöhnung wird zunächst für uns selbst geschrieben. Deshalb ist ein solcher Friedensvertrag zumeist von einseitiger Natur.

Gleichwohl hält er die Tür offen. Deshalb muss er auch die Bedürfnisse der anderen Seite – soweit ich sie verstehen und integrieren kann – berücksichtigen. In einem guten einseitigen Friedensvertrag verliert niemand sein Gesicht. Als kurzer, präziser und verbindlicher Text ist er meine verbindliche Erklärung, dass und wie der Konflikt in Respekt und Eigenverantwortung befriedet und abgeschlossen werden soll.

Am Beispiel Simone wird deutlich, wie einfach, klar und tiefgründig ein solcher Friedensvertrag sein kann. Hier der volle Text:
„Ich bin genauso viel wert wie jeder andere Mensch; Einfach um meiner selbst Willen; Nicht an Leistung oder Reichtum gemessen. Mit Gelassenheit kann ich das Verhalten Anderer erleben aber dennoch bei ihnen lassen.“

Schritt 5: Die neue Kraft im Fluss des Alltags nutzen

“Versöhnung ist wie eine Wiedergeburt, die im Herzen beginnt.”
Frère Roger (1915-2005)

Dieses Zitat des Gründers der ökumenischen Bruderschaft von Taizé trifft den Nagel auf den Kopf. Versöhnung befreit. Sie erneuert den Menschen. Sie setzt ungeahnte Kräfte frei. All die Energie, die zuvor im inneren Ringen mit den Lasten der Vergangenheit gebunden war, steht jetzt zur Verfügung. Ein erfrischender Schub an Lebensfreude und Glück ist die Folge. Es bedeutet schlicht und ergreifend, dass ein Mensch noch einmal neu anfangen kann. Innerlich neu anfangen, denn es muss nicht immer so sein, dass sich das Leben dann auch äußerlich ändert.

Um das Geschenk der Versöhnung bildhaft fassbar zu machen, bat ich die Künstlerin Christiane Püttmann, die Schöpferin der Skulptur „Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft“, die bereits besprochen wurde, für mich eine zweite Skulptur zu erstellen. Diese neue Skulptur fertigte sie aus Holz und viel kleiner als das ursprüngliche Werk, denn ich wollte sie in meinen eigenen Alltag mitnehmen und auch anderen Menschen zeigen können.


Foto: Wolfgang Sauer, Königstein, Ts

Für mich hat dieses Bildnis eine wichtige, ganz eigene Aussage. Im Gegensatz zur ursprünglichen Form existieren die drei Zeitzonen, repräsentiert durch die drei Gesichter, jetzt in Einklang miteinander. Keine von ihnen erdrückt die andere, jede hat ihren Platz. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sollen auch in uns in einer friedlichen Gemeinschaft existieren. Wir sollten um ihre unauflösliche Verbindung, ja, ihre gegenseitige Abhängigkeit voneinander wissen und dementsprechend handeln.

Termine

Newsletter

Abonnieren Sie meinen Newsletter und bleiben Sie auf dem Laufenden.